Weltphilosophie

„Die Frage nun, was die Philosophie lehre, zu der ich geführt bin, läßt sich in Kürze nicht beantworten. Aber die für die Lehre erwachsenen Aufgaben lassen sich kennzeichnen. Wir gewinnen Kräfte aus den geschichtlichen Quellen. Wir möchten Widerhall werden des Tiefen, das einmal gedacht wurde, möchten dessen Aneignung fördern.

Wir möchten ursprünglich im ewig Wahren uns gründen, möchten jede Wirklichkeit hören, die eine Sprache spricht, die uns zum Aufschwung bringt.

Wir möchten teilnehmen am Übergang in die neue noch unbekannte, schnell sich nähernde Welt, – einzelne Vögel in der Menge der in das neue Zeitalter Fliegenden, der Spähenden, der Suchenden.

Wir sind auf dem Wege vom Abendrot der europäischen Philosophie durch die Dämmerung unserer Zeit zur Morgenröte der Weltphilosophie. Aber so sehr wir uns des Zwischenseins bewußt sind, wir wissen, daß alles Zwischensein zugleich erfüllte Gegenwart sein kann, daß es für uns keine andere Wirklichkeit als die gegenwärtige gibt, daß Flucht in Vergangenheit oder Zukunft die Wirklichkeit versäumen läßt: das mögliche unendliche Glück des Daseins, welches erfüllt ist von einem Sein quer zur Zeit, die ewige Gegenwart im verschwindenden Fluß der Dinge.“

(Rechenschaft und Ausblick, München 1958, S. 391)

 

„Eine kommende Philosophie des Erdkreises wird der Raum sein müssen, in dem die spezifische Geschichtlichkeit des je eigenen Philosophierens sich hell wird in bezug auf die eine Geschichtlichkeit des Menschseins im Ganzen.“

(Weltgeschichte der Philosophie. Einleitung. Aus dem Nachlaß hrsg. von Hans Saner, München 1982, S. 76)