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Sich politisch engagieren
„In seinem Kreise von den großen politischen Lebensfragen und den kleinen politischen Fragen des Alltags sprechen und von dem, was hier an diesem Ort jetzt geschieht. – Freundeskreise entstehen lassen. Der einzelne ist völlig ohnmächtig. Wo zwei sind, wo drei, wo mehrere, da ist auch schon der Anfang von Macht. – Ständig sich informieren und geistig arbeiten: diese Informationen in Zusammenhang bringen, nicht aber sich einbilden, schon alles recht zu wissen und zu wollen. – Bescheiden anfangen und denken: vielleicht habe ich noch keine zuverlässige Urteilskraft und keine Geistesgegenwart. – Sich beteiligen bei einer Partei; dort die heute unerläßlichen Erfahrungen gewinnen, die Regelmäßigkeiten der Realität in ihren unerwünschten Folgen kennen lernen, wie Parteidisziplin und anderes; nicht gleich aus Besserwissen alles verwerfen, aber schweigen lernen und den Augenblick abwarten und ständig um Besserung der Partei von innen sich zu bemühen. – Die Hauptsache: nichts von oben und außen erwarten, sondern selbst Initiative ergreifen und im Zusammenhang mit der sachlichen Kritik an Zuständen, Vorgängen, Ereignissen zugleich Kritik an sich selber vollziehen.“
(Antwort. Zur Kritik meiner Schrift »Wohin treibt die Bundesrepublik?«. München 1967, S. 211)
Die politische Rolle der Philosophie
„Auf den Vorwurf, die Philosophie sei weltfremd, irreal, daher in der Politik nichts als Traum, Utopie, Torheit, ist die Antwort, man möge ihr die Realitäten zeigen, die sie verkennt. Wer philosophiert, will wissen, was faktisch ist, will das Reale nicht übergehen, dann aber vor allem: das Mehr-als-Reale, von dem die politische Realität mitbestimmt wird, wenn sie Dauer, Sinn und Größe gewinnt, nicht verraten.
Im Raum eines Volkes haben die Philosophen ihren Ort. Sie möchten gehört werden, und sie werden gehört. Sie wissen nicht den konkreten Rat für den Augenblick, aber sie möchten bei diesem Rat mit ihrer Denkungsart zugegen sein. Philosophieren vertieft die praktische Urteilskraft. Der »Irrealismus« der Philosophie kann sich auf die Dauer als der treffendere Realismus erweise. Man verwechsle Philosophen nicht mit Staatsmännern, die den Rat für das Gegenwärtige wissen. Aber man nutze die philosophische Denkungsart als Licht, mit dem in konkreter Situation über die wesentlichen Dinge die Orientierung besser gelingt. Die Motivationen werden heller, die Realitäten klarer. Man kann solche Gedanken nicht abtun mit Sätzen wie: Sie seien philosophisch interessant, aber nicht Gegenstand unserer Politik. Sie sind in der Tat nicht Gegenstand, aber Bewegungskraft der Politik.
Die Trennung des philosophischen Denkens als des spekulativen, träumenden, utopischen Denkens (mit einem vielleicht eigenen geistigen Reiz) von dem Denken der Realität, die damit nichts zu tun habe, halte ich für falsch. Zwar nicht die Philosophieprofessoren, aber die Philosophie beherrscht die Welt des Menschen, sei es in schlechter, verschleierter, bewußtloser oder in hoher, geordneter, klarer Gestalt. Philosophie, die die Berührung mit der Realität scheut, bleibt unverbindlich. Eigentliche Philosophie tritt in das Da-sein selbst.“
(Freiheit und Wiedervereinigung in: Hoffnung und Sorge, 1965, S. 193f.)
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