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„Spezifische Sachkunde über die Dinge und über sich als Dasein braucht der Mensch für sein Handeln in jeder Situation und in allen Berufen. Nirgends aber reicht Sachkunde aus. Denn sie wird erst sinnvoll durch den, der sie hat. Was ich mit ihr anfange, das wird erst durch mein eigentliches Wollen bestimmt. Die besten Gesetze, die trefflichsten Einrichtungen, die richtigsten Wissensresultate, die wirksamste Technik lassen sich in entgegengesetztem Sinne benutzen. Sie werden zu nichts, wenn Menschen sie nicht zur gehaltvollen Wirklichkeit erfüllen. Was wirklich geschieht, ist daher nicht nur durch Verbesserung der Sachkunde zu ändern, sondern entscheidend erst durch das Sein des Menschen; seine innere Haltung, die Weise, wie er sich in seiner Welt bewußt ist, der Gehalt dessen, was ihn befriedigt, ist Ursprung dessen, was er tut.
Existenzphilosophie ist das alle Sachkunde nutzende, aber überschreitende Denken, durch das der Mensch er selbst werden möchte. Dieses Denken erkennt nicht Gegenstände, sondern erhellt und erwirkt in einem das Sein dessen, der so denkt. In die Schwebe gebracht durch Überschreiten aller das Sein fixierenden Welterkenntnis (als philosophische Weltorientierung), appelliert es an seine Freiheit (als Existenzerhellung) und schafft den Raum seines unbedingten Tuns im Beschwören der Transzendenz (als Metaphysik).
Diese Existenzphilosophie kann keine runde Gestalt in einem Werk und keine endgültige Vollendung als das Dasein eines Denkers gewinnen. Ihren modernen Ursprung und zugleich ihre unvergleichliche Ausbreitung hat sie bei Kierkegaard gefunden.“
(Zur Geistigen Situation der Zeit (1931), S. 161f.)
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