Chiffern

„Chiffern sind Sprache der Wirklichkeit der Transzendenz, nicht die Transzendenz selber. Sie sind schwebend, vieldeutig, nicht allgemeingültig. Ihre Sprache ist nicht hörbar für unseren Verstand, sondern nur für uns als mögliche Existenz.“

(Chiffren der Transzendenz. Hrsg. v. Hans Saner, München 1970, S.97)

 

„Wir leben in der Welt der Chiffern, in der sich uns zeigen soll, was eigentlich ist, aber sich nicht zeigt, sondern in unendlich sich abwandelnden Bedeutungen bleibt. Chiffern sind gleichsam eine Sprache der Transzendenz, die als von uns hervorgebrachte Sprache doch von dort zu uns dringt. Die Chiffern sind objektiv: in ihnen wird etwas gehört, was dem Menschen entgegenkommt. Die Chiffern sind subjektiv: der Mensch schafft sie nach seiner Vorstellungsweise, Denkungsart, Auffassungskraft. Chiffern sind in der Subjekt-Objekt-Spaltung objektiv und subjektiv zugleich.“

(Kleine Schule des philosophischen Denkens. München 1965, S. 132f.)

 

„Wenn wir von Zeichen, Symbolen, Chiffren reden, so kann man unterscheiden: Zeichen sei definierbare Bedeutung eines Anderen, als solches auch unmittelbar Zugänglichen; Symbol sei die Gegenwart eines Anderen in anschaulicher Fülle, in der das Bedeuten und das Bedeutete untrennbar eines, das Symbolisierte nur im Symbol erst selber da ist; Chiffre sei Sprache des Transzendenten, das nur durch Sprache, nicht durch die Identität von Sache und Symbol im Symbol selbst zugänglich ist. Wir ziehen das Wort Chiffre dem Worte Symbol vor. Chiffre bedeutet »Sprache«, Sprache der Wirklichkeit, die nur so gehört wird und angesprochen werden kann. Symbol dagegen bedeutet eine Vertretung für ein Anderes, auch wenn dieses nur im Symbol und auf keine andere Weise da sein kann. In Symbolen sind wir meinend auf das Andere gerichtet, das dadurch Gegenstand wird und in diesem gegenwärtig ist. Aber Symbole können Moment der Chiffrensprache werden. Dann sind sie hineingenommen in die Bewegung des Denkens auf die Transzendenz hin oder von ihr her. Dann verlieren sie ihre verführende Substantialität, aber versinken auch nicht in die Blässe »bloßer Symbole«.“

(Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, 1963, S. 157f.)

 

„Die unendliche Vieldeutigkeit aller Chiffre zeigt sich im Zeitdasein als ihr Wesen. Deutung der Chiffre durch andere Chiffre, der anschaulichen durch spekulative, der wirklichen durch hervorgebrachte, hat kein Ende als das Medium, in dem Existenz sich ihrer Transzendenz vergewissern und vorbereitend sich Möglichkeiten schaffen möchte. Ein System der Chiffren ist unmöglich, da in dieses sie nur in ihrer Endlichkeit, nicht als Träger der Transzendenz eingehen würden. Die unendliche Vieldeutigkeit schließt ein System möglicher Chiffren aus. Ein System kann selbst eine Chiffre sein, aber nie als Entwurf die echten Chiffren sinnvoll umgreifen.“

(Philosophie III, 4. Aufl.1973, S. 150)